Liebe zu Gott: Prinzip der Hoffnung (Stück 80)

Stück 80 von 81 Stücken aus dem im September 2009 erschienenen Buch Die Liebe zu Gott: Das Prinzip der Hoffnung von Ngai Chun Cheung: Amsterdam lernte sie am Anfang ihrer Geschichte im Haus ihres Vaters kennen. Damals war sie allerdings nicht mehr als ein junges Mädchen, das er nicht näher betrachten musste. Denn hier wollte er nur Gott um seine Hilfe bitten. Erst später haben sich ihre Intelligenz und ihr unkompliziertes Wesen offenbart. Die kleine Anekdote über ihre Begegnung mit Gott erschien ihm, als ob sie fest davon überzeugt gewesen wäre. Irgendwann hatte man als Erzähler selbst an die Geschichten geglaubt, wenn man sie den Zuhörern nur oft wiederholte. Es hatte was von selbst herbeigeführter Gehirnwäsche. Muse hatte ihn damit eingeschüchtert und zwar so sehr, dass er sich nicht traute, länger als die Dauer einer Begrüßung mit ihr in Kontakt zu treten. Bitte erzähle mir doch, was du denkst und verstecke dich nicht hinter diesem Schleier. Es fühlte sich schwer an, wenn sie nichts sagten, aber es fühlte sich auch leer an, wenn sie miteinander sprachen. Wie sie über ihn gedacht haben könnte, bewegte sich im Bereich der Phantasie, die so unendlich war, dass sie Raum für Annahmen gestattete, die in alle Richtungen geführt haben. Er sagte oder machte daher Dinge, die sie vielleicht nicht richtig aufgefasst hat. Es war ihm unangenehm, ihr Dasein mehr als nötig zu interpretieren. Amsterdam war ein Junge, der nicht wusste, was er ihr sagen sollte, wenn sie für den Moment vor ihm stand, weil alles was er ihr sagen wollte, war, dass er ihr für alle Tage dankte, die er mit ihr zusammen sein durfte. Selbst dann, wenn sie lediglich ein Bild sein sollte, das an der Wand hang und nur aus der Ferne betrachtet werden wollte. Aber dazu sollte es nicht kommen, denn er offenbarte sich nicht, um nichts an ihrer Beziehung zu ändern. Dabei gab es hier nichts auf Dauer. Amsterdam versuchte hier den Spagat zwischen Feingefühl und Direktheit, aber er ist an ihr gescheitert. Der Junge wollte das Mädchen hassen, um sie nie verlieren zu müssen, weil er sie zu sehr liebte. Denn sie lenkte nicht vom Leid ab, sondern zeigte bei all dem Elend, dass der Mensch es schafft, trotzdem nach vorne zu blicken. In seiner Jackentasche fand er eines Tages die letzte Seite aus dem Notizbuch von Muse. Auf ihr schrieb sie über das Geheimnis des Jungen, das hier am Schluss keins mehr war. Die Liebe war die Hoffnung, die ihn am Leben gehalten hat, um dieses letzte Bild zu beenden. Vieles bekam einen Sinn und war nicht mehr ohne Bedeutung.

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