Liebe zu Gott: Prinzip der Hoffnung (Stück 75)

Stück 75 von 81 Stücken aus dem im September 2009 erschienenen Buch Die Liebe zu Gott: Das Prinzip der Hoffnung von Ngai Chun Cheung: Er hatte ihr am nächsten Tag in einem Brief geschrieben, dass es ihm wichtig war, verstanden zu werden. Hierbei hat er sich nicht sklavisch den Regeln ergeben, sondern vielmehr nach der Situation entschieden. Aber im Grunde versuchte er zu sagen, wie sehr er sie mochte, das jedoch so missverständlich, dass man es verstehen konnte, wie man wollte, damit das Geständnis im Schwarm der Mehrdeutigkeit keins war, wenn das Gefühl kein zweites Mal existierte, um nichts an ihrer Beziehung zu ändern, die ihm in diesem Fall ausreichte. Was würdest du sagen, wenn du wüsstest, dass ich dich liebe, aber wir uns gar nicht richtig kennen? Was würdest du denken, wenn ich dir sage, dass ich durch dich so viel Hoffnung erfahre, weil ich in dir so viel sehe, was für die Zukunft spricht? Was würdest du denken, wenn du über all das Bescheid weißt? Wie gut, dass ein Brief nicht erröten konnte. Muse hatte aber nicht darauf reagiert und so wusste Amsterdam nicht, ob sie die Nachricht jemals bekommen hat. Sie ein weiteres Mal zu schicken, hätte wohlmöglich seltsam gewirkt, entweder weil sie beim ersten Versuch bereits ankam oder weil sie erst so viele Tage nach dem Ereignis versendet wurde. Er hätte sie dann zwar über den Umstand aufklären können, aber zwischen den Zeilen hätte er ihre Bedeutung im Leben offenbart und das stand wie gesagt nicht zur Diskussion. Es war eine Situation, die sich auf alle Menschen übertragen ließ. Dabei hatte er nicht mal eine Frage gestellt, die sie hätte beantworten können. Nach fast zwei Wochen fand Amsterdam ebenfalls keine passende Reaktion auf sein Schreiben und hat auf Seiten der Vernunft nichts mehr erwartet. Sicher wusste sie nicht, was sie davon halten soll, spekulierte er. Alles wäre gut gewesen, wenn sie so geschrieben hätte, wie sie reden würde. Ob die Vernunft von der Unvernunft, oder die Unvernunft von der Vernunft geträumt hat, war Ausdruck vom Wandel der Dinge. Jeder Standpunkt war gleichermaßen wahr. Sie waren zwar unterscheidbar, aber in ihrer Stellung zur Wahrheit gleichberechtigt. Die Weisheit bestand darin, die Perspektiven vorübergehend einnehmen zu können, ohne an sie gebunden gewesen zu sein. Im Wandel haben sie die Begrenztheit überwunden.

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