Skizzen auf Toilettenpapier (Stück 265)

Stück 265 von 463 Stücken aus dem im Februar 2008 erschienenen Buch Skizzen auf Toilettenpapier von Ngai Chun Cheung: Weiße Würstchen rollen, für Kinder vielleicht auch mal überraschend ohne lustigen Gesichtern, auf dem heißen rostigen Gitter, brutzeln, spritzen Fett zu allen Seiten hin weg und meist treffen sie mich, während ich daneben stehe. Verkohlt und völlig schwarz gebraten, werden sie den nichts ahnenden Touristen angeboten. Reingebissen und ausgespuckt, mit fremder Sprache ausgepeitscht, beschweren sich Verkäufer über solche Kunden und Geschmäcker über diese Wurst, und alle schütteln nur den Kopf, nur der nach Wissen hungernde Zuschauer rüttelt am Programm, um es endlich zu beenden. Beim anderen Sender läuft Musik, was man darunter in unserer Zeit auch versteht. Früh hat die Industrie hier aufgepasst, gemerkt wie einfach man uns zu beeindrucken hat. Im Refrain wiederholen sich einfache Rufe, bis dieser selbst zu einem Hit wird, in der Strophe finden überspitzte Stichwörter ihren Platz, denn nicht jeder versteht einen richtigen und ganzen Satz. Visuell befriedigt man Klischees, laszives Gleiten der langen Finger von den Lippen übers Kinn und über den ganzen Körper. Viele perfekte Beine die präzise auseinander geworfen, im Takt schnell auf und zu gemacht werden und sich im Bild dabei überall breit zu machen scheinen, während Hände im Rhythmus die Knie wechselnd streicheln. Aus allen möglichen Wörtern mit all ihrer Mehrdeutigkeit wird kleine Mädchen zu Müttern machendes Gestöhne, das nicht ganz ihre Seufzer übertönt, und aus einem Stuhl wird ein Sportgerät, an dem man scheinbar nur im niedlichen Badeanzug trainieren kann.

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